Lange Nacht der Museen : UB Salzburg

Aderlass und Schwarzer Tod – Heilkunde in Zeiten der Pest.

Die Ausstellung der Universitätsbibliothek Salzburg anlässlich der Langen Nacht der Museen am 4. Oktober 2008 gibt Einblicke in die bunte Palette mittelalterlicher Heilkunde. Warum legte man Kröten auf die Beulen pestkranker Menschen? Wie versuchte man das Heilige Feuer“ zu löschen? Mittelalterliche Handschriften und Drucke aus der frühen Neuzeit geben darauf Antwort. Und wer einen Spaziergang in einem Klostergarten des 9. Jh. machen möchte, kann das im Minihortulus“ ausprobieren …

Booklet zur Ausstellung:

http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/langenacht/lnm08/lnm08booklet.ppt

Homepage: http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/langenacht08.htm

Mag. Beatrix Koll

 



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Lange Nacht der Museen : UB Graz


Rotwelsch – die Sprache der Kundigen.

Hans Zotter

 

Seit dem Mittelalter lassen sich in Europa verschiedene geheime Soziolekte nachweisen, die man früher verallgemeinernd und abschätzig als Gauner- oder Bettlersprachen bezeichnete, oder unter dem Begriff „Rotwelsch“ zusammenfasste. Allerdings war der Gebrauch des Rotwelschen keineswegs auf Kriminelle beschränkt – viele soziale Gruppen, die am Rande der Gesellschaft standen, benutzten geheime Sprachen, besonders alle Fahrenden, Vaganten, reisenden Handwerksburschen bis zu den Schaustellern. Viele Berufsgruppen sprachen eine eigene Sprache (besonders die „unehrlichen Berufe“), aber auch Schüler und Studenten, ebenso natürlich ethnische Gruppen. So gibt es viele Sonderbezeichnungen: Kochemer loschen, Jenisch, Kundenschall, platte Schmuserei und anderes mehr. Unter diesen Gruppen gab es auch einen regen Austausch, so wanderten etwa viele Wörter und Wendungen aus dem Jiddischen und dem Romanes in das Rotwelsch ein.

Das Rotwelsche war und ist ständig in Umgestaltung und Veränderung begriffen, das Wortmaterial wird allmählich vertrauter und wandert in die normale Umgangssprache ein. So verwenden wir jeden Tag Wendungen, die aus dem Rotwelschen stammen, wie etwa „wissen, wo der Barthel den Most holt“ oder man geht ins Beisl oder in das „Tschecherl“

 

Diese Soziolekte hatten eine Schutzfunktion, vor allem gegenüber der feindlich gesonnenen Obrigkeit. Diese reagierte mit „Fachliteratur“, Sammlungen von rotwelschen Ausdrücken, Glossaren und Wörterbüchern. 1510 erschien zum ersten Mal ein solches obrigkeitliches Handbuch, der „Liber vagatorum“, der das erste gedruckte Rotwelschglossar umfasste. Lang ist die Liste der seitdem erschienenen einschlägigen Publikationen, die den Wandel aber auch die Beständigkeit dieser Soziolekte belegen: so dissertierte der Kabarettist Peter Wehle über die Wiener Gaunersprache. Als zeitgenössische Ausläufer können die Jugendsprache und auch die Sprache der Drogenkonsumenten gelten.

 

Die Abteilung für Sondersammlungen und Digitalisierung der Universitätsbibliothek Graz  zeigt anlässlich der „Langen Nacht der Museen“ aus ihren reichen Beständen Bücher und Dokumente zu den europäischen Geheimsprachen.

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